Pneumokokkenimpfung
Pneumokokken sind Bakterien die schwere Infektionen auslösen können
Impfung
Die wichtigsten Impfstoffe im Überblick
- Capvaxive (PCV21) – Der neue Standard für Erwachsene: Ein 21-valenter Konjugatimpfstoff, der gezielt auf jene Bakterienstämme abgestimmt ist, die bei Erwachsenen und älteren Menschen die meisten schweren Infektionen auslösen. Er wird in der Regel als einmalige Injektion verabreicht und steht in Österreich für alle Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr im öffentlichen Impfprogramm kostenfrei zur Verfügung.
- Prevenar 20 (PCV20) & Vaxneuvance (PCV15): Konjugatimpfstoffe mit 20 bzw. 15 Stämmen. Sie bilden das Rückgrat der Kinderimpfungen, kommen bei Erwachsenen aber vor allem noch in speziellen Kombinationen (sequentielle Impfung) bei schwerer Abwehrschwäche zum Einsatz.
- Pneumovax 23 (PPV23) – Nicht mehr empfohlen: Der ältere, reine Polysaccharid-Impfstoff wird im aktuellen Impfplan aufgrund der besseren Wirksamkeit und breiteren Abdeckung der modernen Konjugatimpfstoffe (insbesondere PCV21) nicht mehr empfohlen.
Impfschutz
Pneumokokken-Impfung: Wie gut und wie lange schützt sie?
Die Impfung schützt ältere Menschen und chronisch Kranke verlässlich vor schweren Lungenentzündungen, Sepsis und Hirnhautentzündungen durch Pneumokokken:
- Treffsicherer Schutz: Der moderne Impfstoff (Capvaxive / PCV21) deckt gezielt jene 21 Bakterienstämme ab, die bei Erwachsenen die meisten lebensbedrohlichen Infektionen verursachen.
- Dauerhaftes Abwehrgedächtnis: Weil der Impfstoff an ein Trägerprotein gekoppelt ist (Konjugatimpfstoff), baut der Körper langlebige Gedächtniszellen auf – der Schutz bleibt über viele Jahre stabil.
- Nur ein einziger Stich: Für Erwachsene ab 60 Jahren reicht eine einmalige Impfung aus. Eine jährliche Auffrischung ist nicht notwendig.
Weitere Informationen zu Pneumokokken
Wissenswertes über Pneumokokken: Bakterien, Geschichte und Krankheitsbilder
Pneumokokken gehören zu den am meisten unterschätzten Krankheitserregern weltweit. Obwohl sie bei vielen Menschen völlig unbemerkt im Rachen schlummern, können sie schlagartig lebensgefährliche Entzündungen auslösen. Hier finden Sie die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
Historischer Meilenstein der Medizingeschichte:
- Die Bakterien wurden 1881 unabhängig voneinander von Louis Pasteur in Frankreich und George Sternberg in den USA entdeckt.
Was sind Pneumokokken eigentlich?
- Ihr wissenschaftlicher Name lautet Streptococcus pneumoniae. Es handelt sich um kugelförmige Bakterien, die sich meist paarweise anordnen.
- Sie besitzen eine schützende Zuckerkapsel, die sie vor der menschlichen Immunabwehr abschirmt. Bislang sind über 95 verschiedene Kapseltypen (Serotypen) bekannt, von denen einige für den Menschen besonders gefährlich sind.
Die heimlichen Mitbewohner (Übertragung & Besiedlung):
- Pneumokokken besiedeln vorübergehend die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums. Vor allem Kindergartenkinder tragen die Bakterien häufig symptomlos in sich und geben sie über Tröpfchen (Husten, Niesen, enger Körperkontakt) an Eltern oder Großeltern weiter.
- Die Infektion bricht meist dann aus (endogene Infektion), wenn das Immunsystem durch Kälte, Stress oder eine vorangegangene Viruserkrankung (z. B. Influenza oder RSV) geschwächt ist.
Welche Erkrankungen verursachen sie?
- Nicht-invasive Infektionen: Breiten sich die Bakterien lokal aus, führen sie zu schmerzhaften Mittelohrentzündungen (häufig bei Kleinkindern) oder Nasennebenhöhlenentzündungen.
- Invasive Infektionen (Notfälle): Gelangen die Bakterien in die tiefen Atemwege oder ins Blut, drohen schwere bakterielle Lungenentzündungen (Pneumonien), lebensbedrohliche Blutvergiftungen (Sepsis) sowie eitrige Hirnhautentzündungen (Meningitis).
Wie gefährlich sind Pneumokokken? (Risiko & Zahlen):
- Typische Risikogruppen: Die Gefährdung verläuft in einer U-Kurve – besonders anfällig sind Säuglinge bzw. Kleinkinder sowie Erwachsene ab dem 60. Lebensjahr und Menschen mit chronischen Leiden (z. B. Asthma, COPD, Herzerkrankungen, Diabetes).
- Schwere Folgeschäden: Bei einer durch Pneumokokken verursachten Hirnhautentzündung versterben selbst in modernen Krankenhäusern rund 9 % der erkrankten Kinder; mehr als ein Viertel (28 %) der Überlebenden leidet monatelang oder dauerhaft unter neurologischen Folgeschäden wie Hörverlust oder Lähmungen.
- Häufigste Erregerstämme: In Österreich waren 2025 die Serotypen 3, 19A und 8 für den Großteil der schweren Krankheitsfälle bei Erwachsenen verantwortlich – genau jene Stämme, die durch moderne Impfstoffe gezielt abgedeckt werden.
FAQ
Neben den üblichen lokalen Reaktionen wie Überwärmung, Schmerzen und Schwellung können auch Fieber und leichte Kopfschmerzen auftreten.
Sind Pneumokokken ansteckend? Der Unterschied zwischen Bakterienträger und Erkrankung
Viele Menschen tragen Pneumokokken in sich, ohne es zu merken oder krank zu sein. Um das Ansteckungsrisiko richtig einzuschätzen, ist die Unterscheidung zwischen harmloser Besiedlung und tatsächlicher Erkrankung wichtig:
- Das Bakterium ist ansteckend: Pneumokokken werden über Tröpfchen (Husten, Niesen, enger Körperkontakt) leicht von Mensch zu Mensch übertragen. Vor allem gesunde Kleinkinder sind häufig symptomlose Träger und geben die Bakterien unbemerkt an Eltern oder Großeltern weiter.
- Besiedlung führt selten zur Erkrankung: Nisten sich Pneumokokken auf der Nasen-Rachen-Schleimhaut ein, hält ein gesundes Immunsystem die Keime problemlos in Schach. Der Keimträger bemerkt davon in der Regel nichts.
- Ausbruch erfolgt meist von innen (endogen): Eine Pneumokokken-Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung wird nicht als fertiges Krankheitsbild „eingefangen“. Die Bakterien dringen erst dann tief in die Lunge oder das Blut vor, wenn die Schleimhäute vorgeschädigt sind (z. B. nach einer Grippe) oder das Immunsystem im Alter bzw. durch Grunderkrankungen geschwächt ist.
Pneumokokken-Impfung: Wer soll sich laut österreichischem Impfplan impfen lassen?
Pneumokokken können lebensbedrohliche Lungenentzündungen, Sepsis oder Hirnhautentzündungen auslösen. Laut dem österreichischen Impfplan ist die Impfung für folgende Zielgruppen empfohlen:
- Alle Personen ab 60 Jahren: Generelle Empfehlung als Einmalimpfung mit dem modernen 21-valenten Konjugatimpfstoff (Capvaxive / PCV21) – in Österreich im öffentlichen Impfprogramm kostenfrei.
- Erwachsene mit chronischen Erkrankungen (ab 18 Jahren): Bei dauerhaften Leiden an Lunge (z. B. Asthma, COPD), Herz-Kreislauf, Nieren, Leber sowie bei behandlungspflichtigem Diabetes mellitus.
- Personen mit geschwächtem Immunsystem & Spezialrisiken: Bei Krebserkrankungen, unter immunsuppressiver Therapie (z. B. Biologika, Chemotherapie), fehlender Milz (Asplenie) oder Trägern eines Cochlea-Implantats.
- Raucher:innen und bei chronischem Alkoholkonsum: Empfohlen bereits ab dem vollendeten 50. Lebensjahr.
- Berufliche Risikogruppen: Personen mit beruflicher Belastung durch Metallrauche (z. B. beim Schweißen).
- Säuglinge & Kleinkinder: Grundimmunisierung ab der 6. Lebenswoche im kostenfreien Kinderimpfprogramm.
Hinweis: Gesunde Personen zwischen dem vollendeten 5. und 60. Lebensjahr ohne Risikofaktoren benötigen laut Impfplan keine Pneumokokken-Impfung.
Ja, wir impfen im Rahmen des Österreichischen Impfprogramms (ÖIP) gemäß den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums kostenlos gegen Pneumokokken, sodass versicherten Personen auch keine Impfgebühr in Rechnung gestellt wird.